Picasso Taube

Rundbrief der Friedensinitiative Wilmersdorf

Februar/März 2012
31. Jahrgang

Ein Pazifismus, der die Rüstungen der Staaten

nicht bekämpft, ist und bleibt ohnmächtig.

Die Rüstungsindustrie ist eine der größten

Gefährdungen der Menschheit.

Albert Einstein
(1879 - 1955)


Liebe Rundbriefleserinnen, liebe Rundbriefleser,

am 25.Februar ist Fritz Teppich gestorben. Ein unbeugsamer, mutiger, unbequemer, ungeduldiger, sehr wachsamer und treuer Mensch hat sein Leben zu Ende gelebt, besser sollte ich sagen, zu Ende gekämpft. Denn für Fritz war leben gleich zu setzen mit kämpfen, und kämpfen war für ihn leben.

Fritz - Jude und Kommunist - hat seine politischen Erfahrungen unter schweren Bedingungen gemacht. 1933, Fritz war erst 15 Jahre alt, schickte seine vorausschauende Mutter ihn und seinen Bruder nach Brüssel in eine Kochlehre, um ihre beiden älteren Söhne vor dem Zugriff der Nazis zu retten, dem sie und ihr jüngster Sohn nicht entkommen sind. Wenig später, 1937, ging Fritz nach Spanien, um an der Seite der Spanischen Demokraten gegen die Franco-Faschisten zu kämpfen. Als die Republik fiel folgten die Internierung in Frankreich und seine abenteuerliche Flucht wieder nach Spanien, um der Deportation nach Auschwitz zu entkommen; erneute Internierung, aber diesmal in Portugal. Fritz kehrte zurück als konsequenter Antifaschist. Als solcher begleitete er kritisch und oft zornig die Politik der neuen Bundesrepublik. Kritisch war er auch seiner Partei gegenüber, der Sozialistischen Einheitspartei Westberlin, die ihn dafür ausschloß. Im Laufe seines Lebens hatte er ein sehr feines Gespür für gesellschaftliche Vorgänge entwickelt, auf die er sicher und scharf reagierte.

So im Januar 1980. Wenige Wochen nach dem NATO-Nachrüstungsbeschluß. In einer von ihm organisierten Veranstaltung, rief Fritz dazu auf, sich in einer Initiative zusammen zu schließen, um die durch den Nachrüstungsbeschluß herauf beschworene atomare Gefahr für die Menschheit in die Öffentlichkeit zu tragen. Das war der Anfang unserer Friedensinitiative Wilmersdorf, der ersten bezirklichen Friedensinitiative, der weitere in allen Bezirken folgten und der Anfang einer neuen kraftvollen, sehr kreativen Friedensbewegung in Westberlin. Es war Fritz politischer Klugheit und Leidenschaft zu danken, daß sich in kurzer Zeit ein Bündnis zusammen schloss, in dem alle - man kann sagen wirklich alle - fortschrittlich relevanten Kräfte Westberlins zusammen arbeiteten. Zuerst wurde dieser Zusammenschluß der Teppich-Kreis genannt, bald aber in Berliner Friedenskoordination umgenannt . Fritz gelang das in der vom Kalten Krieg geprägten Zeit fast unmöglich Erscheinende, er brachte weltanschaulich ganz unterschiedlich ausgerichtete Gruppierungen in der für das Überleben so wichtigen Frage des Friedens zur Zusammenarbeit.

Mit Fritz starb der letzte deutsche Spanienkämpfer. Die Ziele, für die er dort sein Leben einsetzte, verfolgte er weiter, bis zu seinem Tod. Die waren sozialistische Ziele: eine Welt ohne Ausbeutung, eine Welt ohne Diskriminierung, eine Welt ohne Krieg. Er nahm im Laufe seines Lebens für diese Überzeugung nicht wenige Nachteile in Kauf. Fritz stand wie ein Baum, tief überzeugt von ihrer Richtigkeit. Nach 1989/90 warnte Fritz davor, zu glauben es brauchte nun keine Friedensbewegung mehr, ganz im Gegenteil: 1989 war für ihn der Beginn einer neuen Phase zügelloser kapitalistischer Entwicklung, die den Krieg als Instrument zur Durchsetzung ihrer Ziele braucht. Wie recht er hatte.

Sein Vermächtnis an uns aus diesen Jahren in die Zukunft gerichtet:

"Wir müssen die Glut über die Zeiten tragen!"

Für den 5. Mai organisieren wir im Bündnis mit den Freunden der Spanienkämpfer eine Gedenkfeier für Fritz Teppich. Nähere Angaben dazu im nächsten Rundbrief.

Hier noch Einiges in eigener Sache

Die Rede des Geschäftsführers von Greenpeace International auf der Münchener Sicherheitskonferenz haben wir abgedruckt, weil wir fanden, daß sie eine interessante Ergänzung zu Harald Schoembs Text im letzten Rundbrief darstellt. Die Situation in Syrien spitzt sich gefährlich zu und findet - wie mehrfach kritisiert - in der Presse einen sehr ungenauen Niederschlag. Der Umgang der Medien, aber vor allem auch einiger Politiker, ist hinsichtlich eines militärischen Eingreifens, egal von welcher Seite, geradezu verantwortungslos. Wir haben darum diesem Thema mit Texten aus dem Internet größeren Raum eingeräumt.

Eigentlich war der Rundbrief schon ende Februar fertig, wir wollten aber noch Fritz Teppichs Beerdigungstermin abwarten, erfuhren dann aber , daß der ausschließlich für die Familie vorbehalten war. Wir werden von Fritz am 5. Mai Abschied nehmen.

Ich lade Euch herzlich ein, auch am diesjährigen Ostermarsch teilzunehmen. Da Mumia Abu-Jamals neue Situation, so paradox das klingt, in dem normalen Gefängnis aus andern Gründen lebensgefährlich ist, haben wir uns entschlossen, vor der Abschlußkundgebung eine Aktion an der US-Botschaft zu machen. Wir hoffen das findet Eure Zustimmung.

Bis dahin grüße ich Euch sehr herzlich