Picasso Taube

Rundbrief der Friedensinitiative Wilmersdorf

Oktober 2012
31. Jahrgang

Es ist einfacher

Menschen zu täuschen

als sie davon zu überzeugen,

dass sie getäuscht werden.

 

Mark Twain


Liebe Rundbriefleserinnen, liebe Rundbriefleser,

trotz des Ausfalls der Sommernummern sind wir Euch und unserer Sache nicht untreu geworden. Aber wir haben es einfach nicht geschafft. Persönliche Belastungen in der Familie und Krankheit und Urlaub bitten wir Euch als Entschuldigung gelten zu lassen.

Zu den nächsten vor der Berliner Friedensbewegung liegenden Aufgaben gehört vorrangig die Organisierung des Protests gegen die Ausstattung der Bundeswehr mit Kampfdrohnen (Regierung will Drohnen abschaffen). Eine zwar kleine aber sehr tüchtige Gruppe von Lehrern und Schülern versucht den Rattenfängern von der Bundeswehr das Handwerk an Schulen und bei öffentlichen Anlässen zu legen, und Afghanistan darf über dem furchtbaren Krieg in Syrien nicht vergessen werden ( Truppen raus ...); im Januar stimmt der Bundestag erneut über die Verlängerung des Einsatzes ab.

Was Syrien angeht ist die Friedensbewegung wieder einmal gespalten, in die, die wie bei Jugoslawien, dem Irak und auch bei Libyen den Regimewechsel aus moralischen Gründen forderten, ohne aus den Folgen, die den Völkern dieser Staaten daraus erwuchsen, zu lernen. Und in die anderen, zu denen ich mich zähle, die davon ausgehen, dass trotz hausgemachter syrischer Probleme, letztlich auch dieser Krieg geopolitische Absichten der "westlichen Regierungen" verfolgt: Ressourcensicherung und Beherrschung der Welt (buri-news & comments). Für uns (mehrheitlich Vertreter der Friko) ist der Adressat unserer Forderungen unsere Regierung sowie ihre Vertreter. Wenn überhaupt Chancen bestehen, auf die Politik Einfluß zu nehmen, dann auf die eigene. Wir verlangen von der Bundesregierung alles zu unterlassen, was die Kriegsgefahr schürt, wir verlangen eine Einhaltung des Völkerrechts und eine objektive Berichterstattung. Das könnte viel und wirkungsvoll sein, ist es aber nicht. Dazu sind wir zu wenige!

Wie verankert militaristisches Denken noch in den Köpfen vieler Deutscher ist, die oft in führenden Funktionen sitzen, glaubt man nicht. Frank Baier aus der Friedenskoordination Potsdam hat ein Büchlein mit dem Titel " Die Garnisonkirche braucht niemand" im Spotless Verlag herausgegeben. Ich empfehle Euch das kleine Buch . Ich hab es mit großem Interesse gelesen. Es ist spannend, informativ und enthält viele Fakten, die auch für heute erhellend sind. Ein Büchlein, nicht nur für Menschen, die sich für Stadtgeschichte interessieren, Preis € 5,95. Sehr geeignet zum Verschenken.

Nun noch zum Schluß die Erinnerung an unsere Veranstaltung, mit der wir uns von Fritz Teppich verabschieden wollen. Eine Einladung wird noch gesondert verschickt. Also, den 16. November vormerken!

Ich grüße Euch alle herzlich

PS: Darf ich Euch noch einmal auf unsere neue Konto-Nr. aufmerksam machen?

Friedensinitiative Wilmersdorf c/o laura v. Wimmersperg
Kto.-Nr. 1061381460, BLZ 100 500 00

Regierung will Kampfdrohnen anschaffen

Es ist zu befürchten, dass der deutsche Bundestag noch in den letzten drei Monaten dieses Jahres eine Entscheidung über die Ausstattung der Bundeswehr mit bewaffneten Drohnen (unbemannten Flugzeugen) treffen wird. Es handelt sich bei dieser Entscheidung nicht um die Einführung einer weiteren noch leistungsfähigeren, technisch noch effizienteren Waffe; sondern die Ausrüstung der Armeen mit bewaffneten Drohnen bedeutet eine grundsätzliche Änderung dessen, was wir bisher unter dem Begriff Krieg zu verstehen hatten.

Juristen von der Stanford Universität und der New Yorker Universität widerlegen nach neunmonatiger Forschungstätigkeit über die bewaffneten Drohneneinsätze in Somalie, dem Jemen und vor allen in Waziristan (pakistanisches Grenzgebiet zu Afghanistan) die Behauptungen der Politiker, die Treffgenauigkeit der Drohnen verfüge über "chirurgische Präzision" ebenso wie die Argumente, Drohneneinsätze würden die terroristische Bedrohung reduzieren. Die Fehlinterpretation der Bilder durch die Drohnentechnik führt immer wieder zu willkürlichen Tötungen von Zivilisten und -gruppen und wird billigend von den für die Einsätze Verantwortlichen (Armee und Geheimdienste!) in Kauf genommen. Menschen in Gebieten, in denen bewaffnete Drohnen eingesetzt werden, sind von der permanenten Angst vor der nicht zu hörenden und nicht zu sehenden tödlichen Gefahr schwer traumatisiert.

Zu diesen und ähnlichen, etwas vorsichtigeren Einschätzungen, kamen auch die Journalisten von FAZ, Spiegel und Monitor. Die Abgeordneten der verschiedenen Fraktionen diskutieren dieses Thema untereinander kontrovers. Ihre Entscheidungen haben Auswirkung auf den Erhalt oder die Zerstörung lang und mühsam erkämpfter demokratischer Ordnung und Rechte und den Grad der Humanität oder Brutalität in der Gesellschaft. Die anstehende Entscheidung des Bundestages über bewaffnete Drohnen ist in diesem Sinne von hoher Bedeutung.

Eine Gruppe der Berliner Friedenskoordination hat ihre Arbeit zu diesem Thema aufgenommen. Wir - aber auch andere Gruppen (siehe nachfolgendes Papier von IMI), die zu diesem Thema arbeiten, versuchen Widerstand dagegen aufzubauen. Voraussetzung dafür ist breit gestreute Information. Wieder einmal läuft uns die Zeit davon

Laura v. Wimmersperg

Brücke am Landwehrkanal nach Rosa-Luxemburg benannt

Die Geschichtswerkstatt teilt mit, dass die Fußgängerbrücke über den Landwehrkanal in "Rosa-Luxemburg-Steg" benannt wird.

Seit 1986 forderte der Verein kontinuierlich, dass der Senat die Stelle, an der die sozialistische Politikerin Rosa Luxemburg am 15. Januar 1919 in den Landwehrkanal geworfen wurde, durch die Namensgebung der dortigen Brücke kennzeichnet.

Es gibt kaum eine Stelle in der Stadt, wo Ort und Schicksal einer Person im Bewußtsein der Menschen so eng miteinander verknüpft sind. Der jahrelange Kampf der Geschichtswerkstatt wurde nun endlich belohnt. Wir danken der Geschichtswerkstatt für ihre geduldige, jahrelange Arbeit in dieser Sache und freuen uns mit ihr über diesen Erfolg.

Laura v. Wimmersperg