Picasso Taube

Rundbrief der Friedensinitiative Wilmersdorf

März 2015
34. Jahrgang

In der Stärke der Waffen zeigt

sich die Schwäche der Menschen

 

Rabindranath Tagore/Indien


Liebe Leserinnen und Leser des Wilmersdorfer Rundbriefes,

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

ich grüße Euch sehr herzlich.
Dieser Nummer des Rundbriefes möchte ich Gedanken voranstellen, die unserem Freund und Mitstreiter im Ringen um eine Welt ohne Waffen und Krieg

Klaus Teichmann

gelten. Klaus ist am Sonnabend, den 14. Februar 2015, ganz unerwartet gestorben. Ein Teil von Euch wird ihn nicht mehr kennen, denn nach 12 Jahren in Berlin' sind Klaus und Ilse 1998 an die Ostsee gezogen. Aber alle, die Klaus kannten, werden sich seiner gern und mit großer Achtung erinnern. Schon bevor Klaus und Ilse sich unserer Friedensinitiative anschlossen, hatten sie in Bremen viele Bombenzüge auf dem Weg von Bremerhaven durch Westdeutschland mit den Freunden vom Bremer Friedensforum zu behindern versucht, indem sie sich mutig auf die Gleise setzten. Viel Reden war nicht seine Art, sondern konsequentes Handeln entsprechend seiner klaren Sicht auf die Welt, einer zutiefst humanistischen Weltsicht, und damit war er auch ein kritischer, widerständiger Mensch. Er war ein großer Bücherleser und bis zuletzt unser engagiertester Rundbriefleser; aber vor allem war er ein wunderbarer, ein treuer Freund. Er strahlte etwas aus, das Sicherheit und Vertrauen in seinem Gegenüber entstehen ließ. Man konnte sich ohne Wenn und Aber auf ihn verlassen. Er hat das Leben in unserer Initiative wesentlich mitgeprägt. Der gemeinsame Weg mit Klaus, war ein intensiver, an Ereignissen und nun an Erinnerungen reicher Weg. Die Vorstellung, ihm nie mehr begegnen zu können, macht sehr traurig.

Und nun zu unserer Arbeit

Unsere nächsten großen Aktivitäten sind der Ostermarsch und dann die Veranstaltungen um den 8. Mai herum. Wir organisieren zum Abschluß und hoffentlich auch als Höhepunkt der vielfältigen Aktivitäten anlässlich der "70 Jahre Befreiung von Krieg und Faschismus" eine Demonstration am Sonntag, den 10. Mai.

Bei den Veranstaltungen um den 8. und 9. Mai herum wird das ehrende und dankende Gedenken im Mittelpunkt stehen. Das Anliegen der Demonstration ist es, darüber hinaus - und im Sinne des Schwurs von Buchenwald - deutlich zu formulieren, was die Lehren aus Krieg und Faschismus für uns heute sein müssen. Und dies gerade im Hinblick auf die fortschreitende Militarisierung der deutschen Außenpolitik, die Auseinandersetzung um die Ukraine und die damit verbundene Gefahr einer militärischen Konfrontation in Europa, die zum Weltenbrand führen kann. (Hierzu liegt nur der Aufruftext bei)

Wir würden uns freuen, wenn zur Einweihung der Gedenktafel für den 17-Jährigen, der weil er sich in den letzten Kriegstagen in einem wilmersdorfer Keller versteckte, weil er nicht kämpfen wollte, von den Nazis erhängt wurde, viele von Euch kommen könnten. (Einladung liegt bei). Dr. Michael Röder sei noch einmal dankend erwähnt, dem das mit hartnäckiger Geduld gelang, was uns 1985 zum 40. Jahrestag nicht gelungen ist.

Am sowjetischen Ehrenmal an der Straße des 17. Juni werden wir am 9., Mai um 14 Uhr hoffentlich mit vielen Berlinern gemeinsam, Blumen niederlegen. Ihr habt sicher in der Berliner Zeitung gelesen, dass der Berliner Historiker Götz Aly dazu aufgerufen hat, der Roten am 9. Mai Armee zu danken. Diesem Aufruf werden vielleicht Menschen folgen, die sonst an solchen Ereignissen nicht teilnehmen, wir sollten dazu beitragen, dass wir dort viele sind. Die "Bolschewistische Kurkapelle" begleitet diese Gedenken.

Nicht unerwähnt bleiben soll: Pikanterweise lädt die Bundeswehr am Abend des 9. Mai zu einem Ball unter dem Funkturm anlässlich ihres Beitritts zur NATO vor 60 Jahren (6. April 55). Wir veranstalten in Sichtnähe einen Tanz auf dem Vulkan . Näheres später auf unserer Homepage www.frikoberlin.de

Daniela Dahn

Grußwort zur Demonstration am 13. Dezember 2014 in Berlin

Liebe Friedensfreunde,
wir müssen nicht in allem einig sein, aber über einen Punkt gibt es wohl keinerlei Meinungsverschiedenheit: Der Frieden in Europa ist bedroht, wie seit einer Generation nicht mehr.

Mahnung und Protest finden zum Auftakt des dringend benötigten Friedenswinters erstmalig vor dem Schloss Bellevue statt. Der Amtssitz des Bundespräsidenten zieht berechtigt Unwillen auf sich. Sein derzeitiger Hausherr propagiert einen "wertebasierten Sicherheitsbegriff, der militärisches "Eingreifen" jenseits von Verteidigung einer moralischen Wertsteigerung unterzieht. Die zwei Drittel der Bürger, die Auslandseinsätze ablehnen, werden des bequemen Wegsehens verdächtigt. Während das Staatsoberhaupt "leidet", weil "nicht überall dort eingegriffen wird, wo es zum Schutz von Leib und Leben bedrohter Menschen geboten" wäre.

Überall dort also - leider ist kein einziger Fall bekannt, indem das militärische Eingreifen der NATO nicht tausendfach mehr Menschenleben gekostet hat, als zu schützen vorgegeben wurde. Kein einziger Fall, in dem alle Voraussetzungen der UN-Charta erfüllt gewesen wäre. aber ein kritisches Wort zu den NATO-Kriegen erwartet man vom Politiker und Theologen Gauck vergeblich. Stattdessen beklagte er in seiner Münchener Rede, dass wir Deutschen uns der "finanziellen Auszehrung" der NATO "nicht entgegen werfen." Wie bitte? Die NATO hat einen Jahresetat von rund einer Billion Dollar. Ein Zehntel davon würde reichen, um Armut, Hunger, Krankheiten und Klimakatastrophe zu bekämpfen. Also das, was die Auszehrung der Menschheit vorantreibt. Menschenrechtsverteidiger dürfen nicht abseits stehen, dieses Unrecht immer wieder bewusst zu machen. Unsere Freiheit wird am Humanen verteidigt. Nicht am Hindukusch - diesem Machtkampf um Energie und Einfluss. Das durchschaut doch jeder - wir leiden nicht an geistiger Auszehrung.

Den Bundespräsidenten treibt dagegen die Angst, Deutschland könne wegen seiner gelegentlichen militärischen Zurückhaltung als "Drückeberger der Weltgemeinschaft" angesehen werden. Er sollte Thomas Mann verstehen lernen: "Krieg ist nichts als Drückebergerei vor den Aufgaben des Friedens."

Zu den Aufgaben des Friedens gehört nicht der von außen beförderte Sturz demokratisch gewählter Präsidenten. Krieg ist die exzessivste Form von Terrorismus. Er ist seit 1929 für alle Zeiten völkerrechtlich geächtet. Krieg sollte kein Werkzeug der Politik sein. Die wichtigsten Unterzeichnerstaaten haben sich nicht daran gehalten. Verantwortlich handeln heißt auch, nach dem Teil des Westens an den Ursachen für Terrorismus und Bürgerkrieg zu fragen - nämlich nach Gewalt, Ausbeutung und unfairem Handel.

Verantwortung übernehmen heißt: die ständig wachsende soziale Kluft abbauen helfen. Ungleichheit leistet gesellschaftlichem Unfrieden und rechtem Gedankengut Vorschub .

Verantwortung übernehmen heißt, nicht zuzulassen, dass die derart entstandene Missstimmung auf Sündenböcke umgeleitet wird. Dämonisierung, Feindbilder, Kriegshetze - all das widerspricht der Aufklärung, auf die der Westen zu Recht stolz ist. Sie steht für das friedliche Zusammenleben der Völker und Religionen. Fanatismus mit Bomben zu bekämpfen ist wie Feuer mit Benzin zu löschen.

Verantwortung übernehmen heißt, keine Konflikte zu schüren. Wer Terroristen wie eigene Söldner aufpäppelt, kann nicht davon ausgehen, die Kontrolle über sie behalten zu können.

Zum Tod von Prof. Dr. Dr. Siegwart Günther

Am 18. Oktober 2007 anläßlich der Preisverleihung des "Nuclear-Free-Awards" an Prof. Dr. Günther in der Residenz in Salzburg sagte er im Rahmen seiner Dankesrede: "Als ich 1991, nach dem 2. Golfkrieg, entdeckte, dass die Alliierten in diesem für mich völkerrechtswidrigen Krieg Urangeschosse eingesetzt hatten, mit allen ihnen schon damals bekannten schrecklichen Konsequenzen, war ich wegen dieser Ungeheuerlichkeit zutiefst empört. Krieg sollte heute sowieso obsolet sein, aber der Einsatz dieser Munition aus abgereichertem Uran ist ein Menschen und Umwelt verachtendes Verbrechen.

Der Kinderarzt Prof. Dr. Günther hat in Sachen Aufklärung über Uran-Munition und deren schreckliche Folgen Großes geleistet. Er hat mit Fotos von missgebildeten Neugeborenen und der Tatsache, dass alle Väter dieser Kinder 1991 an der schweren Panzerschlacht südlich von Basra, beteiligt waren, bei der die Alliierten mehr als 320 Tonnen panzerbrechende Uranmunition eingesetzt hatten, nachgewiesen, dass das Erbgut aller Väter beschädigt worden war. Diese Ungeheuerlichkeit, die er aufgedeckt hatte, trug ihm viel Ärger ein. Er wurde verfolgt und diskreditiert, besonders in der Bundesrepublik. Er sollte mit Polizeigewalt in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden, was nur durch seinen eigenen Einsatz und die Solidarität deutscher und internationaler Friedensgruppen verhindert werden konnte.

Zeit seines Lebens fühlte er sich seinem hippokratischen Eid verpflichtet. Sein großer Lehrmeister und Vorbild war Dr. Albert Schweitzer, bei dem er einige Jahre in Lambarene arbeitete.

Im Laufe des zweiten Weltkrieges schloss er sich dem Widerstandskreis um Claus Graf Schenk von Stauffenberg an und wurde in diesem Zusammenhang im KZ Buchenwald inhaftiert.

Am 16 Januar d. J. im Alter von 9o Jahren starb dieser große Humanist in Husum. Er ist uns Vorbild.

Kein Werben für's Sterben

BERLIN (AFP) - Die Bundeswehr wirbt um Nachwuchs - und das jetzt auch in einem Ladengeschäft zwischen Apotheke und Schuhladen direkt am Berliner Bahnhof Friedrichstr. Karriereberater sollen im Zentrum der Hauptstadt in einem im November eröffneten sogenannten Showroom - dem ersten in Deutschland - über Ausbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten bei der Truppe informieren, sowie andere Fragen rund um die Bundeswehr beantworten. Unsere Kriegsministerin nennt das einen Schritt in die "Mitte der Gesellschaft".

"Die Laufkundschaft ist für uns das A und O", erläutert der Leiter des Showrooms, Jürgen Klau, das Konzept. Er erwartet, dass nicht nur Menschen vorbeischauen, die sich tatsächlich für eine militärische oder zivile Bundeswehrkarriere interessieren. Er wolle "hier auch Leute haben, die der Bundeswehr kritisch gegenüberstehen". Die Bezeichnung "showroom" begründet Klau damit, dass die Bundeswehr den "Sprachjargon" der jungen Leute habe aufgreifen wollen. Dass die Bundeswehr hier gut sichtbar sein will, zeigt auch der blaue Schriftzug über dem Eingang "Bundeswehr - wir dienen Deutschland".

Kinderrechtler kritisieren die Werbepraxis der Bundeswehr im öffentlichen Raum seit langem. Vor gut einem halben Jahr, so berichtet Michael Schulze von Glasser, habe sogar der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes die Bundesrepublik aufgefordert, " jegliche Bundeswehrwerbung bei Minderjährigen zu verbieten". Besonders die Auftritte von Soldaten an Schulen seien nicht mit der von Deutschland unterzeichneten UN-Kinderrechtskonvention vereinbar.

Uwe Hiksch/Laura